Damit die Teilzeitkarriere für Manager klappt, braucht es klare Regeln und Vertrauen. Beides ist in der österreichischen “Anwesenheitskultur” eher Mangelware.

Lassen sich Teilzeit und Führungskräfteposition vereinbaren? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion der Rechtsanwaltskanzlei Wolf Theiss, die prominent besetzt war. “Ein klares Ja”, gibt es etwa von IBM-Generaldirektorin Tatjana Oppitz. Sie sagt: “Bei uns gilt die beste Leistung unabhängig vom Arbeitspensum. Es darf nicht passieren, dass die Teilzeit einen Karriereknick bedeutet.”

Das sieht auch Casinos-Austria-Vorstandsdirektorin Bettina Glatz-Kremsner so. Und wer die besten Arbeitskräfte wolle, müsse Bewerbern heute auch eine Antwort auf die Frage bieten: “Kann ich Karriere mit Teilzeit machen?”

Von oben gewollt

Das könne aber nur gehen, wenn der Wunsch nach Teilzeit von der obersten Führungsebene ganz klar gewollt wird. “Es kann nur eine Topdown-Strategie sein, damit ich weiß: Wenn ich in Teilzeit gehe, entgeht meiner Karriere nichts und es ist auch erwünscht”, sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Das geht zum Beispiel mit eigenen Programmen für Teilzeitmitarbeiter. So wurde bei IBM ein Parttime-Network gegründet, in dem Mitarbeiter in Teilzeit ihre Interessen wahrnehmen können. Das geht auch, indem betont wird, dass Teilzeitmitarbeiter genauso Weiterbildungsmaßnahmen bekommen wie Vollzeitmitarbeiter.

“Ältere Männer”

Dass so etwas nicht öfter vorkommt, hat verschiedene Gründe. “Heute sitzen in den Top-Etagen ältere Männer, die sind aufgewachsen mit dem Modell ,Ich muss mein Ganzes Leben lang arbeiten’. Teilzeit oder Sabbaticals sind in ihren Köpfen gar nicht drin”, sagt Unicredit-Vorstandsdirektorin Doris Tomanek, die sich noch gut an die Diskussionen mit Vorstandsvorsitzendem Willibald Cernko erinnert, als zum ersten Mal ein Mitarbeiter ein Jahr Auszeit nehmen wollte. “Aber das wird normal werden. Kein Mensch arbeitet heutzutage bis 65 voll durch.” Immerhin sind bei der Bank Austria 20 Mitarbeiter auf Führungskräfteebene in Teilzeit, im ganzen Konzern sind es 27 Prozent. “Ein sehr schwieriges Thema”, findet Tomanek trotzdem.

Ein anderer Grund ist die von Heinisch-Hosek kritisierte “besondere österreichische Anwesenheitskultur”. Obwohl die technischen Möglichkeiten es jedem Manager erlauben, von zu Hause aus zu arbeiten, wird das noch immer von vielen Unternehmen nicht gewollt.

Und wer sich frühzeitig aus einem Meeting verabschiedet, um das Kind von der Schule abzuholen, hat den Schwarzen Peter, egal wie gut seine Arbeit ist. Diese Erfahrung hat auch Glatz-Kremsner gemacht; sie wurde Vorstandsdirektorin, als ihr Sohn acht Jahre alt war: “Diese Begründung schickt sich nicht” – weshalb sie den Tipp bekam, zu sagen, “Ich muss mein Auto aus der Werkstatt holen” – “eigentlich traurig”, so Glatz-Kremsner.

Wer macht die Arbeit?

Sowohl klare Regeln und Erwartungen als auch Vertrauen sind demnach notwendig, damit die Teilzeitkarriere klappt, sind sich die Teilnehmerinnen einig. Die Fragen aus dem Publikum treffen den praktischen Kern: Wer macht den Teil der Arbeit, der nicht gemacht werden kann, weil eben die Mitarbeiterin nicht 100 Prozent arbeitet? Wie es scheint, bleibt das doch an der Teilzeitführungskraft hängen. Tatjana Oppitz sieht etwa in ihrem Konzern kein Problem. “Es bleibt nichts liegen. Die drei Damen – und der Herr – haben ja Teams. Sie besprechen sich auch mit ihren Vorgesetzten. Sie sind verdammt gut organisiert. Es ist alles eine Frage der Organisation und Delegation.”

Quelle: http://wirtschaftsblatt.at/home/life/karriere/1345156/Teilzeit-darf-nicht-einen-Karriereknick-bedeuten

Photocredit: unicum.de

 

 
Teilzeit + Führung = Widerspruch?
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